Die Freiwillige Feuerwehr Iserlohnerheide im Spiegel der Zeit
-zusammengestellt von Hauptbrandmeister a. D. Bernd Kleff-
Nachstehend eine Zusammenfassung der Vorgänge aus den Protokollen und Jahresberichten der
Freiwilligen Feuerwehr Iserlohnerheide.
Iserlohnerheide, den 04.Mai 1913
Anlässlich einer Übung der Pflichtfeuerwehr zu Iserlohnerheide Gemeinde Oestrich, am 04. Mai 1913 wurde nach der Übung, in einer Versammlung beschossen, eine Freiwillige Bürgerfeuerwehr zu gründen.
Es wurde ein provisorischer Vorstand gewählt dem folgende Herren angehörten.
1. Vorsitzender Fr. Pelzing jun.
2. Vorsitzender W. Theis
1. Kassierer Fr. Püttmann
2. Kassierer W. Horstmann
1. Schriftführer H. Püttmann
2. Schriftführer Fr. Hölting
In der darauf folgenden Vorstandsitzung am 06. Juni, wurde beschlossen, dass die Gründungsversammlung am Sonntag, den 13. Juni 1913 um 15:00 Uhr in der Gaststätte Stümmel stattfinden soll.
13. Juni 1913 - Gründungsversammlung:
Zu dieser Gründungsversammlung waren zahlreiche Männer aus der Ortschaft Iserlohnerheide in der Gaststätte Stümmel erschienen. Als 1. Punkt der Tagesordnung wurden die Statuten vorgelesen und von der Versammlung für gut befunden. Als Vereinslokal wurde die Gaststätte Schulte(Riekenbrauck)gewählt. Die Versammlungen sollen abwechselnd, bei den Wirten Schulte und Stümmel stattfinden.
Der neue Vorstand setzt sich wie folgt zusammen:
1. Vorsitzender Carl Stock
1. Brandmeister und Hauptmann Fritz Pelzing jun.
2. Brandmeister Wilhelm Theis
1. Schriftführer Heinrich Püttmann
2. Schriftführer Heinrich Schulte
Der Wirt Schulte wurde zum 1. Kassierer und Carl Kepper zum
2. Kassierer bestellt. Zeugwart wurde August Kortmann. Als Steigerführer wurden, W. Hellmann und Fr. Six ernannt. Die Spritzenmannschaft wird von
H. Hohnert und H. Tubbesing geführt. Als Vertreter der Passiven Mitglieder wird der Fabrikant Carl Maste gewählt.
07. September 1913
In einer erneut einberufenen Versammlung mussten die Brandmeister neu gewählt werden. Die bisherige Wahl wurde von der Gemeindebehörde beanstandet. Die Neuwahlen ergaben:
1. Brandmeister wurde der Werkmeister Carl Stock
2. Brandmeister der Zimmermeister Friederich Pelzin jun.
Der Jahresbeitrag wurde in der Versammlung für Aktive auf 1 Mark und für Passive Mitglieder auf 2 Mark festgelegt.
12. Oktober 1913
An diesem Tag wurde die erste Übung abgehalten, die von den Feuerwehrkameraden Grünnberg und Angelkorte aus der Gemeinde Hennen durchgeführt wurde.
Oktober 1913
Im Oktober bekamen 36 Wehrmänner ihre Ausrüstung. Die Wehr bestand aus: 2 Brandmeister, 3 Abteilungsführer, 12 Steiger, 16 Spritzenmänner und 3 Ordner. Die Ausrüstung kostete, inkl. eines Westfälischen Normalfeuerlöschgerätewagens, 1 314, 25 Mark. Dieser Betrag wurde aus Spenden der Ortschaft Iserlohnerheide zusammen gebracht. 145,00 Mark übernahm die Gemeinde Oestrich. Hier ist anzunehmen, dass diese Handdruckspritze von der Firma Mayer in Hagen Westf. beschafft wurde.
14. Dezember 1913
An diesem Tag wurde eine außerordentliche Generalversammlung einberufen. Auf der Tagesordnung gab es nur einen Punkt. Die Vorlage der neuen Statuten und deren Verabschiedung. Die ersten waren vom Königlichen Landrat nicht genehmigt worden.
31. März 1914
Um 18, 30 Uhr wurde die Wehr alarmiert und nach Kalthof gerufen. Es brannte das Anwesen des Bauern Schulte – Haumann. Das war der erste Einsatz der Wehr.
29. April 1914
An diesem Abend wurden die Männer der Wehr um 23, 30 Uhr alarmiert. Es brannte der Pachthof Moneke zu Wulfringsen. Hier gab es zwei Unfälle. Der Steiger Hermann Schmitz verstauchte sich den rechten Fuß und bekam eine Entschädigung von 76,00 Mark. Julius Theis hatte sich die rechte Hand verstaucht und erhielt 24,00 Mark als Entschädigung.
23. August 1914 (Kriegsjahr 1. Weltkrieg)
Die Vorstände der 4 Ortsvereine der Iserlohnerheide haben beschlossen, alle Familien, der im Kriege befindlichen Kameraden, finanziell zu unterstützen. Von der Freiw. Feuerwehr wurden 250, 00 Mark gespendet.
01. November 1914 (Kriegsjahr)
Originalabschrift des Protokolls:
Die heutige Versammlung wurde um 6 Uhr vom 1. Brandmeister, Kamerad Stock eröffnet. Die Versammlung war schlecht besucht, was vom Vorsitzenden gerügt wurde. Es wurde ein Schreiben vom Provinzial – Feuerwehr – Verband verlesen, über verhalten der Wehr während des Krieges. Es wurde sodann beschlossen, den Kameraden im Felde, eine Liebesgabe zu schicken und zwar, pro Mann 25 Zigarren und wurde hierfür von der Versammlung 27, 20 Mark bewilligt. Außerdem soll den Kameraden noch vor Weihnachten eine Freude in Gestalt eines Paketes bereitet werden. Hiermit wurde die Versammlung um 7 1/2 Uhr mit einem Hoch auf seine Majestät geschlossen.
03. November 1914 (Kriegsjahr)
Feueralarm morgens um 4, 30 Uhr. Es brannte ein Nebengebäude bei von Brocke in Düingsen. Da an diesem Gebäude nichts mehr zu retten war, wurde es, da Einsturzgefahr bestand, eingerissen und abgelöscht.
07. November 1915 (Kriegsjahr)
In dem Versammlungsprotokoll vom 07. November ist unter Punkt 3 der Tagesordnung folgendes zu lesen: Die Weihnachtsfeier wird abgesagt. Anstelle einer Bescherung, sollen die Familien, deren Männer im Kriege sind, 10 Ztn. Kohlen erhalten.
02. Oktober 1918
In der heutigen Versammlung wurde an Stelle des verstorbenen 1. Brandmeisters Carl Stock, auf Antrag des Kameraden Heinrich Schulte, Hermann Magney als kommissarischer Führer vorgeschlagen und gewählt.
09. März 1919
In der heutigen Generalversammlung wurde als 1. Brandmeister Wilhelm Theis und als 2. Brandmeister der Kamerad Friedrich Dickmann gewählt.
10. Juni 1920
Erneuter Führungswechsel bei der Wehr. Für den aus seinem Amt scheidenden 1. Brandmeister Wilhelm Theis wurde der Kamerad Heinrich Uhlmann als neuer Führer der Wehr bestimmt.
10. November 1922
In dieser Generalversammlung wurde beschlossen eine Sterbekasse, als Umlagekasse, einzurichten. Vorläufig wurde ein Betrag von 100, 00 Mark pro Sterbefall festgelegt. Diese Kasse bestand bis zum Jahr 2001.
09. Juni 1923
Der Jahresbericht beginnt mit folgendem Wortlaut:
Das Jahr 1923 wird ein Gedenkjahr der Freiw. Feuerwehr Iserlohnerheide bleiben. In diesem Jahr wurde ein Gerätehaus mit Steigerturm gebaut. Am 09. Juni 1923 wurde der Steigerturm mit einer Schauübung eingeweiht. Die Wehr wurde in diesem Jahr nur einmal alarmiert. Sie rückte nach dem Landwirt Schulte – Bremke aus, wo sie aber
nicht eingesetzt werden brauchte.
25. April 1924
Original Brandbericht:
Am 25. April abends gegen 1 /2 4 Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert. Es brannte das Stallgebäude des Bauern Windschief zu Düingsen. Die Wehr war schnell zur Stelle und konnte das Feuer auf seinen Entstehung Herd beschränken, so dass nur das Dach und der Dachboden ausbrannten. Um 1/2 12 Uhr konnte die Wehr, unter Zurücklassung einer Brandwache in Stärke von 6 Mann, abrücken.
09. Januar 1926
Auf der heutigen Versammlung wurde über den Beitritt des Musikvereins Iserlohnerheide in die Freiw. Feuerwehr abgestimmt. Die Versammlung war mit den gegenseitigen Vereinbarungen einverstanden. Die Kapelle nennt sich von nun an: Feuerwehr – Kapelle – Iserlohnerheide.
26. November 1927
In einer außerordentlichen Generalversammlung wurde als neuer 1. Brandmeister, Ludwig Schmidt vom Griesenbrauck, gewählt.
Oktober 1928
In einer Generalversammlung wird erstmals von der Anschaffung eines Banners gesprochen. Es sollten aber noch Jahrzehnte dauern bis eine Standarte erstellt wurde.
März 1929
In der Frühjahrsversammlung waren erneut Unstimmigkeiten mit dem 1. Brandmeister aufgetreten. Bei der Abstimmung des Antrages, ob die Mitglieder den 1. Brandmeister Ludwig Schmidt noch als ihren Führer anerkennen, stimmten 15 mit nein, 13 mit ja und 4 Stimmen waren ungültig. Dadurch wurde die Wehr wieder Führerlos. Sie wurde vom 2. Brandmeister Otto Giebelhausen kommissarisch weitergeführt.
20. Oktober 1929
Der Kamerad Heinrich Magney (Schmied) wird in der Generalversammlung zum neuen 1. Brandmeister gewählt.
01. Juni 1931
An diesem Tag wird die Wehr zum Brand nach Freiburg in Sümmern gerufen. Dieser Brand wurde laut Protokoll erfolgreich bekämpft. Es gab im Nachhinein aber Schwierigkeiten mit dem Amt Menden (wo Sümmern seinerzeit zugehörte) um die Begleichung der Kosten.
22. Mai 1932
In der Vorstandssitzung des heutigen Tages wird bekannt gegeben, dass das Trommelkorps ihre Musikinstrumente an die zuständigen Vereine, den Vaterländischen Bürgerverein und der Freiw. Feuerwehr zurück gibt und sich auflöst.
15. Juni 1933
Feuer auf dem Hof Schulte – Düingsen. Die Wehr wurde um 1, 30 Uhr alarmiert. Sie konnte schon nach wenigen Minuten ausrücken und an der Einsatzstelle sein. Durch sofortiges Eingreifen des Besitzers und der Nachbarn wurde ein größerer Brand verhindert.
09. Juli 1933
Wieder war Feuer auf dem Hof Schulte – Düingsen ausgebrochen. Es brannte eine Scheune. Die Wehr wurde um 2, 30 Uhr alarmiert und war schnell zur Stelle. Die Motorspritze von Hemer wurde zur Unterstützung angefordert. Der Brand war gegen 5 Uhr unter Kontrolle. Dieses Feuer wurde nach Feststellung, durch Oberlandjäger Langer, als Brandstiftung erkannt.
11. Juli 1933
In der am Dienstag, den 11. Juli im Lokal Stümmel einberufenen Vorstandssitzung, wurde auf Wunsch der neuen Regierung, der Nationalsozialisten, den Vorstand aufzulösen, folge geleistet.
Der 1. Brandmeister verließ nach der Auflösung des Vorstandes die Versammlung. Leider kann eine Feuerwehr nicht ohne Führung sein. Es wurde von den verbleibenden Mitgliedern als kommissarischer Leiter, Heinrich Wewer eingesetzt. Heinrich Wewer wurde in einer außerordentlichen Generalversammlung am 17. Juli 1933 als neuer Führer der Wehr bestätigt.
09. März 1934
In einer Außerordentlichen Mitgliederversammlung im Lokal Hörnes ( heute Zum Weingarten–Breuer )ist auf Antrag der Behörde, die Auflösung des Vereins, Freiwillige – Bürger – Feuerwehr, bekannt gegeben worden. Die Liquidatoren waren die Kameraden Heinrich Wewer und Karl Keitmann. Die Kasse hatte noch einen Bestand von 67, 00 RM. Einer Einladung des Amtes Oestrich soll am 10. März 1934 folge geleistet werden. Hier soll im Lokal Berkenhoff –Untergrün die Gründungsversammlung einer neu gegliederten Freiw. Feuerwehr stattfinden.
05. Mai 1934
In der heutigen Versammlung wird bekannt gegeben dass die Feuerwehr Kapelle sich aufgelöst hat und nicht mehr existiert. Die Heide – Wehr ist von nun an Halb – Löschzug der Gemeinde Oestrich mit 27 Aktiven Wehrmännern.
04. März 1936
14, 00 Uhr Feueralarm auf der Iserlohnerheide. Ein Brand in der Schleiferei der Firma Hering & Co am Ziegelweg (heute Kastanienallee) war ausgebrochen. Nachbarliche Löschhilfe brauchte keine in Anspruch genommen werden. Das Feuer war um 16, 00 Uhr unter Kontrolle. Nach zurücklassen einer Brandwache konnte die Wehr um 16, 30 Uhr abrücken.
15. April 1936
Löschzugführer Heinrich Wewer legt sein Amt in der Vorstandssitzung nieder. Er will aber solange noch im Amt bleiben, bis ein neuer gefunden ist.
16. November 1936
In der heutigen Versammlung wird als neuer Löschzugführer, der bisherige 2. Brandmeister Wilhelm Hunke vorgeschlagen und einstimmig gewählt. Zum nächsten Kameradschaftsabend, im Februar, erklärt sich der neue Führer der Wehr bereit, ein Kalb zu schlachten und zur Verfügung zu stellen. Anmerkung: Bis zur Bebauung des Hombruch’s (Bremsheide) bewirtschaftete Wilhelm Hunke dort einen Bauernhof. Als Ersatz für seinen Hof am Hombuch, bekam er das Gut Ruckeljahn bei Neuenrade. Dorthin hat er die Löschruppe jedes Jahr zum Gemütlichen
mit Frauen eingeladen. Sein Kameradschaftsgeist ist mir noch in guter Erinnerung.
10. Juli 1938
Die Feier zum 25 jährigen Bestehen der Wehr, fand an diesem Tag in der Gaststätte Hörnes statt. An Ihr nahmen zahlreiche benachbarte Löschzüge und die Ortsvereine teil.
1940 bis 1947
In den Kriegsjahren des 2. Weltkrieges und den ersten Nachkriegsjahren gibt es keine Aufzeichnungen im Protokollbuch, so dass anzunehmen ist, dass es keine Aktivitäten in der Wehr gab.
23. Januar 1947
Zu der an diesem Tag einberufenen Versammlung hatte der noch Amtierende 1. Brandmeister Wilhelm Hunke alle noch lebenden ehemaligen aktiven Kameraden der Wehr eingeladen. Es sollte wieder ein Neuanfang der Wehr nach dem Krieg gemacht werden. Anwesend waren, der neue Kreisführer Hauptmann Schmidt und dessen Sachbearbeiter Dierkard aus Iserlohn. Da der 2. Brandmeister Heinrich Lülf noch in Gefangenschaft war, wurde der Kamerad Wilhelm Schulte als diesen vorgeschlagen und gewählt. Für den im Kriege gefallenen 1. Schriftführer Hermann Kortmann wurde Josef Jeschke gewählt. Kreisführer Schmidt appellierte an die Anwesenden, den Kameradschaftsgeist und die Sache des Deuteschen Feuerwehrwehsens aufrecht zu erhalten, da sonst ein Zusammenbruch der Wehren die Folge währe. Somit wurde der Dienst, nach dem Krieg, bei der Heidewehr wieder aufgenommen.
... es geht bald weiter ...